3 Bilder © Leica Camera AG 

The Leica Q Typ 116

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Als Leica im Juni 2015 die Q Typ 116 vorstellte, war ich gleich fasziniert von dieser Kamera. Die Kamera schien das Beste aus zwei Welten zu verbinden. Zum einen eine konsequent manuell zu bedienende kompakte Kamera wie die Leica M und zum anderen eine schnelle moderne AF Kamera. Bisher litten alle AF Kameras von Leica an einem langsamen Autofocus, einem kleinen Sensor und zu lichtschwachen Objektiven. Jetzt schien alles zu passen. Nach 4 Monaten intensiver Nutzung schreibe ich hier über meine Erfahrungen mit der Leica Q aus der Sicht eines langjährigen Leica-M-Nutzers.

Am Anfang war ich skeptisch, ob die Leica Q die Bildqualität der Leica M erreicht oder sogar übersteigt. Im Leica-Kontext ist diese Kamera mit 4.000 Euro fast ein Schnäppchen, denn dafür bekommt man nicht mal das zeitgleich erschienene Objektiv Summilux 28mm Asph für die Leica M.


Das Gehäuse und die Bedienung

Das Gewicht der Leica Q ist mit 640 Gramm inklusive Objektiv leichter als das bloße Gehäuse der M 240 (680 Gramm). Dabei wirkt die Q nicht billig oder wenig robust. Fast alles ist aus Metall auch das Objektiv und die Bedienelemente. Nur im direkten Vergleich wirkt die M wie Panzer. Mit der M würde ich einen Nagel in die Wand hauen, mit der Q wohl eher nicht.

Das Gehäuse ist dem Aufbau einer Leica M sehr ähnlich. Auch das Design ist eindeutig von der M übernommen worden. Für mich ist es extrem wichtig, einen direkten Zugriff auf Zeit und Blende zu haben. Das Rad für die Zeit ist oben und der Blendenring ist am Objektiv. Diese klassische Anordnung ist für mich ideal und ich kann sie fast blind bedienen.

Die Verarbeitung ist tadellos, bis auf das Okular für den Sucher, das ist nicht ganz fest und wirkt instabil.
Ich habe zusätzlich den Handgriff montiert, damit hat man eine sehr stabile Haltung und kann auch längere Zeiten aus der Hand realisieren.

Viele Freunde und Kollegen, die die Kamera in der Hand hielten waren sofort begeistert von der Ergonomie.


Das Objektiv

Das 1,7/28mm Summilux Objektiv ist ebenfalls aus Metall und gestaltet wie ein klassisches M Objektiv. Sogar der Finger-Tab unten zum manuellen Scharfstellen ist dabei. Drehe ich den Blendenring oder die Scharfstellung bis ans Ende, rastet dieser spürbar ein und ist auf Automatik gestellt. Ein Ring hinten am Objektiv wird einfach gedreht und der Nahbereich verkürzt sich von 30cm auf 17cm. Die Skala mit der Entfernungseinstellung verschiebt sich dabei ebenfalls mechanisch – sehr schön gelöst.

Insgesamt wirkt das Objektiv hochwertig verarbeitet, wenn auch nicht ganz so hochwertig wie ein M Objektiv. Das manuelle Scharfstellen ist etwas weniger “smooth” als bei einem gut eingestellten M-Objektiv. Das fällt aber nur im direkten Vergleich auf und spielt in der Praxis keine Rolle.

Die Gegenlichtblende ist aus Metall und verschraubt. Der Schutz-Deckel, welcher ebenfalls aus Metall ist, passt über die Gegenlichtblende. 

Die Lichtstärke ist 1,7 und ermöglicht Bilder mit schönen Bokeh bei allen Lichtverhältnissen. Verzeichnungen und Vignettierungen sind entweder nicht vorhanden oder werden elektronisch korrigiert. Es ist schwierig zu sagen, was das Objektiv macht und was die Elektronik. Auf jeden Fall ist die Vignettierung deutlich geringer als bei einem M-Summilux. Das Objektiv löst sehr hoch auf und hat einen fantastischen Mikrokontrast. Anders gesagt, das Objektiv ist sehr scharf.

Schon bei f1,7 liefert das Objektiv hervorragende Werte, welche bei ca. f5,6 den Höhepunkt erreichen. Grundsätzlich kann man bedenkenlos alle Blenden nutzen.

Ein Vergleich mit Summilux-M-Objektiven zeigt, dass bei dem M-Objektiven im Gegensatz zur Q die Schärfe dramatischer abfällt. Generell kann man mit der Q nur ganz offen bei kurzer Distanz den typischen M-Look andeuten. Wer nach der M-Formel “viel Bokeh und viel Vignettierung = Kunst” arbeitet, wird mit der Q möglicherweise nicht glücklich.

Im Vergleich mit meinem Summicron M 28mm Asph liefert die Leica Q Linse in allen Bereichen bessere Ergebnisse. Interessant finde ich auch, dass der Bildausschnitt des Summicron 28mm kleiner ist als bei der Q.


Der elektronische Sucher / Monitor

Der elektronische Sucher (EVF) löst mit 3,68 Mio Pixeln sehr hoch auf und übertrifft den Aufstecksucher der Leica M bei weitem. Vor allen Dingen ist die zeitliche Verzögerung sehr gering und somit die Gefahr zu spät auszulösen nicht so groß wie bei dem EVF-2 der Leica M.

Die Farben des EVF sind befriedigend und wirken nicht sehr natürlich, der Kontrastumfang ist befriedigend. Beim manuellen Scharfstellen wird automatisch gezoomt und Focus-Peaking hilft beim Erkennen der scharfen Bereiche. Alles funktioniert schnell und intuitiv und es macht Spaß mit dem EVF manuell zu arbeiten.

Immer öfter verwende ich den 3 Zoll großen Monitor zum Gestalten. Dieser löst mit 1 Mio Pixeln hoch auf und hat eine hervorragende Farbdarstellung und Helligkeit. Manuelles Scharfstellen ist auch damit leicht möglich.

Der Monitor ist ein Touchscreen. Wer will, kann durch die Bilder flippen und mit zwei Fingern zoomen. Lustig ist auch die Möglichkeit per Druck auf den Monitor den Focus zu setzen und gleich auszulösen. Sobald mir eine sinnvolle Anwendung dazu einfällt, werde ich das auch nutzen. Der Annährungssensor am EVF ist leider so empfindlich, dass sich der Monitor immer ausschaltet wenn ich mit der Hand etwas am Monitor machen will. Das könnte man noch optimieren.

Crop Modus

Die Leica Q hat einen Crop-Modus mit dem ich per Knopfdruck einen 35mm und 50mm Rahmen einblenden kann. Damit wird das JPG-Bild beschnitten, die RAW-Datei aber nicht.
Ich finde das ganz praktisch, denn mit eingeschalteten 35mm Rahmen habe ich genau den Sucher wie bei der M mit 35mm Objektiv. Der Sucher der M ist ebenfalls auf 28mm ausgelegt und somit ist das Sucherbild identisch. Wenn ich dann mit 35mm Crop fotografiere, bleiben mir 16mpx zur Verfügung. Das entspricht knapp dem einer M9. Allerdings muss man bedenken, dass sich die effektiv genutzte Fläche des Sensors verkleinert, man also nicht 16mpx im Vollformat hat.


Autofocus und Verschluss

Endlich mal ein Autofocus der quasi in Echtzeit scharf stellt. Abgesehen von den Pro DSLR Kameras habe ich noch nie einen so entspannten und schnellen Autofocus erlebt wie bei der Leica Q. An seine Grenze stößt die Q nur noch bei Serienbildern von sich schnell bewegenden Motiven auf kurzer Distanz.

Ebenso wichtig ist für mich die Frage, worauf die Kamera scharf stellt. Ich habe es immer als absoluten Vorteil des Leica M Systems gesehen, genau zu wissen, worauf ich scharf stelle. Bei Personen stelle ich fast immer auf die Augen scharf. Es nützt mir nichts, wenn meine Kamera zwar sehr schnell ist, aber immer auf die kürzeste Distanz scharf stellt. Ich habe bei der Leica Q den AF auf Gesichtserkennung eingestellt. Und ich muss sagen, das funktioniert hervorragend. Bei den überwiegenden Bildern ist der Focus da wo ich ihn manuell auch gesetzt hätte.

Das ganze wird dann noch von einem fast unhörbaren und erschütterungslosen Zentralverschluss gekrönt. Dieser ist bis 1/2000s mechanisch und bis 1/16000 elektronisch. Diese kurze Zeit ermöglicht mir das Fotografieren ganz offen bei Sonne ohne Graufilter. Ein Graufilter verursacht fast immer eine Farbverschiebung, die ich umständlich korrigieren muss.

Die Batterie

Die Leica Q verwendet einen Lithium Ionen Akku vom Typ BP-DC 12 welcher auch für die V-Lux Typ 114 passt. Die V-Lux 114 basiert auf der Panasonic FZ1000. Deshalb passt der Akku der Panasonic (DMW-BLC12) auch in die Leica Q. Es würde mich wundern, wenn die beiden Akkus technisch nicht identisch wären. Während der Leica-Akku ca. 100 Euro kostet ist der Panasonic Akku für die Hälfte zu haben.
Eine Ladung reicht für ca 300 Bilder. Es kann nicht Schaden ein oder zwei Ersatz-Akkus in der Tasche zu haben.

Der Handgriff

Mit dem Handgriff für ca 120 Euro liegt die Q wirklich perfekt in der Hand. Ich empfehle dringend ihn zu kaufen. Leider muss man zum wechseln des Akkus oder der SD-Karte den Hangriff abschrauben.


Der Sensor

Der Sensor ist eine Neuentwicklung, woher er kommt sagt Leica nicht. Letzte Gerüchte sagen, dass er in Kooperation mit Panasonic und einer israelischen Firma entwickelt wurde. Er hat eine Auflösung von 24,2 Mpx bzw. 26,3 Mpx total. Interessanterweise kann man in Capture One 8 Pro den gesamten Bereich nutzen. Das sieht dann so aus:

captureone8

Der komplette Bildbereich entspricht dann 26,3 Mpx. Ich habe schon öfter die “Reserve” benutzt um den Ausschnitt zu optimieren.

Natürlich sind die 24 Mpx im Vergleich zu manchen Wettbewerbern nicht gerade üppig. Es ist der Kompromiss aus Qualität, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Kosten. Ich würde aber sagen, dass in Verbindung mit dem Objektiv die Auflösung ausreichend ist. Unten kann man sehen wie schön die Kamera auflöst und wie schnell der AF ist. Rechts ist ein 100% Ausschnitt, fotografiert aus der Hand ohne Stabilisierung mit ISO 100; f2,8; 1/2000s.


Die Bildstabilisierung

Das Objektiv hat eine Bildstabilisierung in Form einer beweglichen Linse. Im ausgeschalteten Zustand klackert diese Linse frei im Objektiv herum und verursacht komische Geräusche. Ich habe verschiedene Versuche mit und ohne Stabilisierung gemacht und kann bestenfalls eine Stabilisierung um eine Stufe feststellen. Bilder, die ich durch Bewegung verwackelt habe, werden i.d.R. auch mit Stabilisierung verwackelt. Da scheinen mir andere Hersteller schon deutlich weiter. Ich habe die Stabilisierung für Fotos abgeschaltet und nur für Filme an , um ein Optimum an optischer Leistung aus dem Objektiv zu bekommen. Leica selbst empfiehlt die Stabilisierung auszuschalten um ein optimal zentriertes Objektiv zu haben.

Die Belichtungsmessung / Weißabgleich

Die Mehrfeld-Belichtungsmessung arbeitet sehr gut. Insbesondere Gegenlichtaufnahmen werden ausgesprochen gut belichtet. Bei der Leica M habe ich die Mehrfeldmessung kaum benutzt, da sie zu deutlichen Verzögerungen bis zum Absturz der Kamera führte. Bei der Leica Q stimmt die Präzision und Schnelligkeit und bringt fast immer sehr gute Bildergebnisse.

Der Weißabgleich liefert solide Ergebnisse mit einem Hang zu Blau bei Tageslicht und Gelb bei Lampen. Mischlicht wird überraschend gut verarbeitet. Die in Capture One angezeigten Kelvin-Werte überraschen etwas und entsprechen nicht der Erwartung. Entweder ist die Skala falsch oder die Kamera muss da intern ziemlich viel kompensieren.


Die Bildqualität

Um es kurz zu machen: die Bildqualität ist hervorragend. Das Objektiv konnte genau auf den Sensor Entwickelt werden, und das sieht man. Eine Brennweite – ein Sensor – ein Gehäuse. Das ganze wirkt perfekt abgestimmt und die Ergebnisse sind superscharf mit viel Mikrokontrast, detailliert und hoch aufgelöst. Die Grauwerte sind fantastisch.

Bilder auf einem Monitor zu bewerten, ist bedingt sinnvoll. Erst ein hochwertiger Print offenbart die Qualität der Bilder. Wenn ich einen Print der Leica Q mit dem einer justierten M240 mit einem Summilux 35mm FLE vergleiche, finde ich bei der Leica M etwas mehr Tiefe im Print. Möglicherweise beherrsche ich aber den Workflow mit der Q noch nicht perfekt. Außerdem vergleichen wir eine 11.000 Euro Kombination mit einer 4.000 Euro Kamera. Die Leica Q kommt auf jeden Fall sehr nahe an die M 240 heran und übertrifft sie in vielen Punkten.

Der Kontrastumfang scheint bei der Leica Q eine Blende größer zu sein als bei der M240. Der Kontrastumfang und die 14bit Farbtiefe verhelfen zu ausgesprochen guten Ergebnissen die viele Reserven für die Bearbeitung mitbringen. Der nutzbare ISO Bereich ist 1 Stufe höher als bei der M240. Bei ISO 6400 bekommt man noch gute Ergebnisse, vorausgesetzt man belichtet korrekt. Leica gibt noch 3 weitere ISO Stufen bis 50k an, aber das ist bestenfalls im Notfall zu gebrauchen.


Fazit

Mit der Leica Q zu fotografieren ist eine Freude. Sie ist leicht, handlich, wertig, schnell und leise und die Qualität der Ergebnisse ist überragend. Sie ist die erste Kamera, bei der ich nicht ständig gegen die Technik kämpfe, sondern einfach fotografiere. Durch ihr geringes Gewicht und Größe überlege ich nicht lange ob ich sie mitnehme, und durch die überragende Bildqualität ist sie eine vollwertige Kamera auf höchstem Niveau. Natürlich ist ein 28mm Objektiv Geschmacksache, aber ich komme damit gut klar.

Kann die Leica Q die M ersetzen? Spezielle Objektive wie das Noctilux (test hier) oder das WATE machen die Leica M immer noch zu einem besonderen System, das kann eine Q natürlich nicht ersetzen. Wer so spezifische Bilder machen möchte wie sie mit dem Noctilux möglich sind, der hat keine Alternative zur M. Wer aber überwiegend mit dem 35mm arbeitet, wird vielleicht überrascht sein, wie einfach fotografieren sein kann, bei vergleichbaren Ergebnissen.

Jetzt ist Leica gefragt nachzulegen, und eine Version mit einem Summicron 50mm auf den Markt zu bringen. Damit könnte ich 80% meiner Anforderungen abdecken. Alle Leica-Q-Fans haben von einer Q mit Wechselobjektiven geträumt und wurden im Herbst 2015 von der SL 601 überrascht. Obwohl die SL Teile der Q hat, ist es doch ein völlig anderes Konzept. Sie ist viel schwerer und die Bedienung orientiert sich an der Leica S. Sie ist eher im Bereich der Pro DSLR angesiedelt. Vielleicht hat die Q zu viel von der M, als dass man sich mit ihr als Systemkamera selbst kanibalisieren will. Aber ein 50mm geht hoffentlich noch, bitte!